I wish I didn’t take life so seriously…

Ein paar Menschen haben uns gewarnt.
Viele haben sich gefreut.
Es ginge nicht, einfach ins Ausland zu gehen.
Es wird nicht leicht.
Wartet ein halbes Jahr.
Im ersten halben Jahr entscheidet sich alles.

Ja, es ist nicht immer leicht, war es nicht und wird es auch nicht.
Aber es hat nichts mit dem Ort zu tun an dem man ist oder lebt.
Probleme fallen nicht von deiner Schulter nur weil du Ort oder Dinge austauscht.

Als ich vor ein paar Jahren diesen schlimmen Zusammenbruch hatte, weil mich das Krankenhaus und gefühlt alles gefressen hat, dachte ich, ich werde nie im Leben je wieder annähernd normal. Ich bin es auch heute noch nicht, denn die Zeit heilt keine Wunden sondern du lernst mit der Zeit. Aber es wird immer besser, mit viel Geduld.

Jetzt sitzen wir hier, seit über einem halben Jahr im Ausland, ich habe im letzten Monat endgültig meine Wohnung in Hamburg aufgegeben und somit den letzten Faden gekappt. (Danke nochmals an meinen unglaublich famosen Vermieter und all sein Verständnis.)

Was gerade im Moment diese Gedanken aufkommen lässt?
Ein Mann hat eine Frau kennengelernt, welche kurz danach hier her zog.
(Segelfrau. Segelfrauen sind immer gute Connections.)
Er war Ende des Jahres schon einmal kurz zu Besuch und als er letzte Woche wieder da war lernten wir ihn auch kennen. Wir verstanden uns gut und im Laufe des Abends fragte ich:
‚Und, wann beehrst du uns hier wieder mit deiner Anwesenheit?‘
Er lachte und meinte:
‚Naja, ich steige am Sonntag in den Flieger, packe dann all meine Sachen
und bin zum nächsten Wochenende wieder hier.‘
Gestern hat er mich auf halbem Weg aus Deutschland angerufen und gesagt dass er heute Abend ankommen wird. Er fragte ob er überbrückungstechnisch noch eine Nacht bei uns schlafen könne, da er erst morgen die Schlüssel zur Wohnung bekommt, während seine Frau noch über See schippert. Und selbst, obwohl dass bei uns noch nicht lange mit dem Umzug her ist, bin ich beeindruckt. Uns hielten -mit guter Planung- schon alle für absolut verrückt.
Natürlich ist das alles verrückt, er ist erst recht verrückt, dass er hier her kommt obwohl sie sich so kurz kennen, er ist verrückt weil er vermeintlich alles hinter sich lässt. Aber was soll am Ende passieren? Ausser -im schlimmsten Fall- Geld verliert er nichts.

Ich mag Menschen mit leichter Tendenz zur (wirklichen) Verrücktheit, was auch ganz gut meinen Status erklärt. Nicht weil ich mir keine Gedanken mache, sondern weil man manchmal einfach machen muss.
Wer 5x rumpimmelt weil ihm die Sicherheit ein falsches Gefühl von Sicherheit vermittelt, der muss sich nicht wundern wenn dir ebenselbige kurze Zeit später den Boden unter den Füssen weg zieht. Nirgendwo gibt es Sicherheit. Keine Rente, keine Gesundheit, keine Beziehung…am Ende hilft wenn überhaupt nur das Sparbuch. Wenn du 5 Wochen überlegen musst um 200km für 4 Tage nach Italien zu fahren, dann bist du auch wirklich selbst schuld, aber dann jammere auch nicht ständig über dein Leben. Und ja, blocke mich gerne auf Facebook, wenn es dein Leben besser macht meine Fotos nicht zu sehen.
Niemand muss sich für unseren Lebensweg entscheiden, es obliegt jedem selbst das zu tun was glücklich macht oder dazu beiträgt.

‚Ja, aber mit Kindern kann man das auch alles nicht machen!‘ sagen Stimmen.
‚Kinder sind deine eigene Entscheidung, meine Entscheidungen sind andere.‘ antworte ich dann. Dabei ist es übrigens unrelevant ob das so gewollt ist oder von höherer Hand entschieden, am Ende bleibt nur: ich bin froh dass nicht alles so kam, wie ich es mir vor 10 Jahren noch gewünscht hätte.

Jetzt bin ich Anfang 30 und fange jobtechnisch nochmal komplett von vorne an. Hätte ich vor 2 Jahren gedacht das tritt jemals ein? Nein. Ist das alles easy? Nein, aber ich bin sehr dankbar über diese Gelegenheit und es ermöglicht mir eine komplett neue Sicht auf alle Dinge. Das ist verdammt gut und irrsinnig konstruktiv.

Ich hab in den letzten 3 Jahren so viel mit der Initiative für die Pflegewelt erreicht und es selbst nie wahr genommen. Vor einigen Monaten sass ich neben meinem Mann und er sagte nur: „Du musst das im Internet nicht fortführen, wenn du das nicht mehr willst!“ ich entgegnete: „Kann ich nicht, ich bin für viele ein Vorbild.“ Er hatte sich eine Träne aus dem Augenwinkel gewischt und mich umarmt. Mir war lange nicht klar warum er das tat, heute ist es mir klar.

Am Ende sitzen wir hier, gucken auf das Meer und fragen uns:
‚Warum haben wir das nicht schon früher gemacht?‘

Macht Sonne im Gesicht alles angenehmer? Ja, definitiv.
Hab ich trotzdem noch Wünsche im Leben? Ja, definitiv.
Und das ist verdammt gut so.

What dreams do you have?

#pflexit

Ich hatte heute tatsächlich meinen ersten ‚Bürotag‘.
Es ist alles ungewohnt, ich bin um 18:00 Uhr tatsächlich ultramüde
und freue mich um so mehr auf die kommenden Tage, Wochen und Monate.

Könnt ihr euch noch erinnern als ich in der Kneipe anfing?

Zurück ist keine Option ausser wir bekommen irgendwann angemessenes Geld und Kollegen. Ja, hab ich auch kurz gelacht.
Pflege hat keine Zukunft, zumindest nicht so wie es gerade läuft.

Am Ende wollen wir einfach glücklich werden und das sehr verdient.